Freitag, 17. Januar 2014

Freitagsfrage: Was sind Positionslimite und wie wird die Agrarspekulation begrenzt?

Die EU will Spekulationsgeschäfte an den Rohstoffmärkten beschränken und hat sich diese Woche auf strengere Regeln verständigt. "Position limits" sollen künftig den Handel von Agrarrohstoffen begrenzen. Was genau bedeutet das und - noch wichtiger - was sind die Folgen?

Ein Positionslimit legt fest, wie viele Terminkontrakte ein Marktteilnehmer oder eine kleine Gruppe von Tradern halten darf. In der Regel verhängen die Terminbörsen Positionslimite, um die Anzahl der gehandelten Kontrakte zu begrenzen, damit nicht einer oder eine kleine Gruppe die Preisentwicklung sehr stark beeinflussen oder den Markt destabilisieren kann.

Noch sind die vereinbarten Regeln nicht final beschlossen. Die Beschlüsse, die von Unterhändlern des EU-Parlaments, der Mitgliedsländer und der EU-Kommision gefasst wurden, müssen noch offiziell abgesegnet werden. Das dürfte aber reine Formsache sein. Im Anschluss sind die Länder in der Pflicht, die Regeln in konkrete Vorschriften umzusetzen. Sie sollen spätestens ab 2017 gelten.

In der Praxis sollen die Marktteilnehmer dann belegen, dass sie als Geschäftsleute agieren, also zum Beispiel als Produzenten oder Käufer der Waren handeln. Wer dies nicht nachweisen kann, darf nur noch in begrenztem Rahmen Geschäfte tätigen. Damit dürfte die Spekulation deutlich eingedämmt werden.

Ob die Kurse dadurch aber weniger stark schwanken und - das war die Intension der Politik - am Ende auch die Preise der Nahrungsmittel günstiger werden oder stabil bleiben, ist zu bezweifeln. Denn zum einen wird den Märkten Liquidität entzogen, was ebenfalls zu stärkeren Kursausschlägen führen kann. Zum anderen dürfte sich der Handel verteuern, weil die Börsen ihre Gebühren auf weniger Marktteilnehmer umlegen müssen. Der wichtigste Punkt aber: die Rohstoffpreise wie Weizen, Kakao oder Zucker haben nur wenig Einfluß auf den Preis der Waren im Einzelhandel oder auf das Brot beim Bäcker, die großen Kostenblöcke entfallen auf die Herstellung und den Handel.

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